Geschichte von Brasilien

Die Geschichte Brasiliens geht weit in die Vergangenheit zurück und ist von vielen bewegenden Momenten geprägt. Sie erklärt, warum dieser Staat das einzige Land der amerikanischen Kontinente mit der Landessprache Portugiesisch ist und wie es schließlich seine Unabhängigkeit erlangte.
Geschichte Brasilien
Die Unabhängigkeit Brasiliens 1844

Brasiliens Geschichte - Von Jägern, Sammlern und Menschenfressern

In der vorkolonialen Zeit war Brasilien von Ureinwohner bewohnt, welche zwischen 55000 bis 9000 vor Christus vom heutigen Sibirien aus über die damals noch zusammenhängende Beringstraße in dieses Land südlich vom Äquator vordrangen. Die Menschen organisierten sich damals in Stämmen oder Sippen, welche sich von Produkten des Fischfangs, der Landwirtschaft sowie der Jagd ernährten. Als Haustiere sind Wildschweine und Wasserschweine gehalten worden, da Pferde, Kühe und Hühner damals nicht bekannt gewesen sind. Ackerflächen machten sich die Menschen unter Einsatz von Brandrodung fruchtbar. Insbesondere Mais, Yucca und Bohnen bauten die Ureinwohner an.

Kannibalismus ist als spezielles Ritual in manchen Stämmen praktiziert worden, wobei insbesondere kräftige Feinde verspeist worden sind, um ihre positiven Eigenschaften auf sich selbst zu übertragen. Mehr als 1.000 Stämme existierten als 1500 der portugiesische Seefahrer Brasilien Cabral entdeckte.

Mit den Kolonialherren kam die Sklaverei

Portugal benannte sich kurz nach der Entdeckung Brasiliens als Kolonialmacht des Landes. Viele Gebiete waren nun von der Landwirtschaft geprägt, wobei insbesondere der Anbau von Zucker und Kautschuk von Bedeutung war. Auch der Abbau von Gold nahm eine wichtige Stellung ein und später sollte der Kaffeeanbau für die Wirtschaft Brasiliens bedeutsam werden.

Für den Ackerbau benötigten die portugiesischen Plantagenbesitzer viele Arbeitskräfte. Die Ureinwohner konnten den Bedarf nicht decken und erwiesen sich zudem als schlecht einsetzbar für die harte Arbeit, da sie anfällig für europäische Krankheiten waren. Sklavenhändler aus den portugiesischen Kolonien in Afrika brachten nun Menschen afrikanischer Herkunft nach Südamerika. Da sich die schwarzen Sklaven den Portugiesen nicht gänzlich beugen wollten, entwickelten sich afro-brasilianische Religionen wie Candomblé und Macumba sowie die als Tanz getarnte Selbstverteidigung Capoeira. Ab 1550 kamen mehr als 3,5 Millionen afrikanische Sklaven nach Brasilien. Erst 1888 schaffte der Staat die Sklaverei ab.

Der Kampf anderer Kolonialmächte um Brasilien

Portugal behauptete sich aufgrund seiner Waffen erfolgreich gegenüber den brasilianischen Ureinwohnern. Bereits Mitte des 16. Jahrhunderts schlugen sie zudem französische Truppen nieder, die versuchten, den Süden des Landes zu okkupieren. Ein weiterer Versuch der Franzosen im Jahr 1615 in Brasilien eine Macht aufzubauen schlug ebenfalls fehl. In der Zwischenzeit verbündete sich Holland mit dem portugiesischen Erzfeind Spanien. Sie wollten die brasilianische Zuckerproduktion übernehmen sowie den Sklavenhandel kontrollieren. Im Jahr 1624 eroberten sie tatsächlich die Hauptstadt Salvador in Bahia, aber bereits ein Jahr später verwiesen sie Portugiesen die Holländer des Landes. Nur sechs Jahre später kam es zu einer weiteren Invasion der Holländer. Diese erfolgte im Nordosten von Brasilien und war vorerst erfolgreich. Ein deutscher Graf in holländischen Diensten ließ die Region erblühen, aber 1644 musste er aufgrund zunehmender Revolten nach Europa zurückreisen. Ohne den Grafen konnte die Region schließlich mithilfe vom Militär zurückerobert werden.

Das Interesse anderer Kolonialmächte an Brasilien war offensichtlich. In dem Land wurden bedeutende Goldadern gefunden und auch der Anbau von Kautschuk galt als sehr wertvoll. Bereits im 16. Jahrhundert ist das Naturprodukt, über das Brasilien später über Jahrzehnte hinweg das Weltmonopol halten sollte, zur Herstellung von wasserdichter Kleidung eingesetzt worden. Im ausgehenden 18. Jahrhundert kam zudem der Kaffee hinzu. Noch immer ist Brasilien mengenmäßig Weltmarktführer.

Die formelle Unabhängigkeit wird erreicht

Von 1500 bis 1822 war Brasilien eine Kolonie von Portugal. Das Ende dieser Ära wurde mit der Flucht des portugiesischen Königs Johann VI. eingeläutet, der sich vor den Truppen Napoleons in diesem südamerikanischen Land versteckte. Mit ihm kamen in das Land diverse Reformen, dank derer der eigentliche koloniale Status beendet werden konnte. Im Jahr 1815 ist Brasilien zum gleichberechtigten Partner des „Vereinigten Königreichs von Portugal, Brasilien und Algarve“ ernannt worden. Im Jahr 1821 kehrte der König zurück nach Portugal und wollte schließlich die koloniale Abhängigkeit erneut herstellen. Sein eigener Sohn hingegen war an der Nationalbewegung des Landes beteiligt und rief die Provinzialabgeordneten zu einer Nationalversammlung zusammen. Er verbot im August des Jahres 1822 das Landen portugiesischer Soldaten und am 7. September erklärte er schließlich die Unabhängigkeit. Nur fünf Wochen später wurde er zum Kaiser Brasiliens unter dem Namen Pedro I. ernannt. Trotz dieser bahnbrechenden Entwicklung war das Land noch immer in Arm und Reich geteilt. Mehr zur Geschichte von Portugal.

Von der Militärdiktatur zur Demokratie

Ende des 19. Jahrhunderts übernahm das Militär gewaltsam die Regierung und in den folgenden Jahrzehnten erfolgte ein reger Wechsel zwischen mehr oder weniger demokratischen Regierungen. An der Situation der ungerechten Verteilung des Kapitals wurde nichts verändert. Hoffnung für die armen Bevölkerungsschichten gab es schließlich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 2002 kam schließlich Luiz Inácio Lula da Silva als demokratischer Präsident an die Macht. Er stammt aus der armen Bevölkerungsschicht und schaffte es, Programme für eine bessere Ausbildung sowie Gesundheit zu implementieren. 2011 ist er dann von der Präsidentin Dilma Rousseff abgelöst worden, die für ihren Kampf gegen die Korruption bekannt ist.

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