Wirtschaft in Brasilien

Was ist nur los im ehemaligen Vorzeigestaat der Schwellenländer? Die Wirtschaft des südamerikanischen Landes ist als Austragungsort Olympischer Spiele und Fußballweltmeisterschaft gewaltig ins Stottern geraten, ist der zunehmende politische Einfluss schuld, dass die einstmals blühende Wirtschaft ins Wanken geraten ist?
Wirtschaft Brasilien
Ölplattform vor der Küste Rio de Janeiros
© marchello74 - Fotolia.com

Brasiliens Wirtschaftswunder gerät gewaltig ins Stottern

Kaum zu glauben, was sich im ehemaligen Wirtschaftswunder Südamerikas abspielt, denn während des Confederations Cup prägten zahlreiche Massendemonstrationen das Straßenbild Brasiliens. Diese Massendemonstrationen wurden von nahezu allen Fernsehsendern in alle Welt übertragen, ein Bild des Grauens, welche sich während des Confederations Cup im Land abspielte.

Was ist nur aus dieser Fußball Nation geworden, die Indikatoren zeigen deutlich nach unten, kein Wunder, dass Finanzminister Guido Mantega die Prognosen des laufenden Jahres bereits vier Mal nach unten korrigieren musste, wobei als letzter Stand 2,5 Prozent feststanden.

Die Inflation scheint somit unaufhaltsam fortzuschreiten, infolgedessen brachen Exportlieferungen in alle Welt gnadenlos zusammen, selbst die einstmals stabile Währung (Real) stürzte vollkommen ein. Auch ein Blick auf den südamerikanischen Wirtschaftsverbund Mercosur lässt in Europa berechtigte Zweifel aufkommen. Staaten wie Venezuela, Argentinien und Uruguay, welche als linksgerichtete Staaten ebenfalls Mitglieder dieser Wirtschaftsunion sind, werfen einen Schatten auf das einstmalige Wirtschaftswunder Brasilien. Hat sich Brasilien etwa damit selbst in die Isolation gedrängt?

Wirtschaftsunion Mercosur – es heißt auf Wiedersehen, denn Brasilien braucht eine Chance

Was ist die Wirtschaftsunion Mercosur eigentlich? Diese Union wird unter Experten als eine sogenannte Zollunion bezeichnet, was Brasilien in die ausweglose Situation drängt engere Anbindungen an die Europäische Union anzustreben. Denn als Mitgliedstaat der Mercusor müsste Brasilien den anderen Mitgliedstaaten wie Argentinien oder Venezuela erklären, weshalb eine solche Anbindung angestrebt wird. Hatte sich in den 1990er Jahren noch ein enormer Kurswechsel der gesamten Wirtschaftspolitik vollzogen, als Neuorientierung politisch-gesellschaftlicher Entwicklungsvorstellungen zeitgleich in mehreren lateinamerikanischen Staaten erfolgte rief zugleich die Kritiker auf den Plan. Hatten die Befürworter der wiedergewonnenen Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Wirtschaft Brasiliens noch auf die Steigerung der ausländischen Investoren, allen voran die USA bejubelt, hatten Kritiker des neoliberalen Entwicklungsmodells auf die enormen sozialen Kosten hingewiesen.

Der größte wirtschaftliche Erfolg Brasiliens war sicherlich die dauerhafte Überwindung der Inflation, welche unter der Regierung Fernando Henrique Cardoso durch den „Plano Real“ aus dem Jahre 1994 gefeiert wurde, es sollte zugleich der letzte erfolgreiche Reformplan des Landes gewesen sein. Noch im Jahre 2007 konnte Brasiliens Wirtschaft eine insgesamt positive Entwicklung verzeichnen, so legte die Landwirtschaft um 5,3 Prozent sowie die Industrie um 4,9 Prozent zu, was zugleich ein deutlicher Rückgang der Arbeitslosigkeit bedeutete.

Mit der Aufwertung des Reals im Jahre 2008, wodurch der Gewinntransfer nahezu verdoppelt wurde, zeigte deutlich, dass der gesamte industrielle Bereich des Landes Wachstumseinbüßen gegenüber den vorangegangenen Jahren zu verzeichnen hatte. Lag das Bruttoinlandsprodukt im Jahre 2008 noch bei 8.704,01 US-Dollar pro Kopf, lag es im Jahre 2011 bereits beigeschätzten 12.789 US-Dollar pro Kopf. Allerdings schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt im Jahre 2013 um beachtliche 0,5 Prozent, was auf fallende Investitionen sowie eine stagnierende Industrie zurückzuführen ist.

Die wichtigsten Wirtschaftszweige Brasiliens

Brasilien verfügt über eine ganze Reihe an Rohstoffen, darunter Erdöl und Eisenerz, welche nicht nur für den Eigenbedarf, sondern vorwiegend in andere Staaten exportiert werden. Zum Glück halten diese Exporte das einstmalige Wirtschaftswunder noch über Wasser, aber auf lange Sicht hin, kann die Inflation damit nicht aufgehalten oder beseitigt werden.

Weitere Exportschlager wie Kaffee, Zucker, Soja, Fleisch aber auch Orangensaft tragen derzeit noch erheblich zur einigermaßen positiven Handelsbilanz Brasiliens bei, doch das überaus schlechte Verhältnis zum wichtigsten Handelspartner, den Vereinigten Staaten von Amerika hat deutliche Spuren hinterlassen.

Große Hoffnungen vonseiten der brasilianischen Regierung wurden auf den Chef der Welthandelsorganisation WTO gesetzt. Obwohl Roberto Azevedo gebürtiger Brasilianer ist, gelten seine Aufgaben in allererster Linie der Welthandelsorganisation WTO, anstatt die Interessen Brasiliens zu vertreten. Also letztendlich wieder einmal aufs falsche Pferd gesetzt? Bleibt zu hoffen, dass sich die politische Führung allen voran Präsidentin Dilma Rousseff eine Lösung einfallen lässt, welche Brasilien endlich wieder zum einstmaligen Wirtschaftswunder werden lässt!

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Währung Brasilien

Der Brasilianische Real ist die offizielle Währung in Brasilien. In diesem Artikel findest du alle Informationen zu Banknoten, Münzen, den aktuellen Wechselkurs, der Geschichte brasilianischer Währungen, Währungskrisen uvm.

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Brasilien besitzt über 20 Hafenstädte. Der größte Hafen Brasiliens und ganz Südamerikas befindet sich in Santos im Bundesstaat São Paulo.