Brasilianische Nationalhymne: Text & deutsche Übersetzung

Die Nationalhymne Brasiliens (Hino Nacional Brasileiro) wurde von Francisco Manuel da Silva komponiert. Den Text schrieb fast 80 Jahre später Joaquim Osório Duque Estrada. Hier findest du den vollständigen portugiesischen Text mit deutscher Übersetzung, die Bedeutung der Verse, die Geschichte dahinter und einige Kuriositäten, die selbst viele Brasilianer überraschen.
Nationalhymne Brasilien
Notenausschnitt der brasilianischen Nationalhymne ( Public Domain )

Hino Nacional Brasileiro – ein Überblick

Die brasilianische Nationalhymne ist eines von vier offiziellen Staatssymbolen Brasiliens – neben der Flagge, dem Wappen und dem Staatssiegel. Sie gehört zu den musikalisch anspruchsvollsten Hymnen der Welt: melodisch verspielt, rhythmisch fordernd und mit einem Text, der eher an ein Gedicht der Romantik erinnert als an einen schlichten Marsch.

Genau das macht sie so besonders – und für Außenstehende manchmal schwer greifbar. Anders als »La Marseillaise« oder »The Star-Spangled Banner«, die aus bereits existierenden Liedern hervorgingen, entstanden Melodie und Text in Brasilien getrennt voneinander und fanden erst nach langen Umwegen zueinander.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Musik: Francisco Manuel da Silva (1795–1865)
  • Text: Joaquim Osório Duque Estrada (1870–1927), verfasst 1909
  • Erste öffentliche Aufführung der Melodie: 13. April 1831 in Rio de Janeiro
  • Melodie offiziell als Hymne bestätigt: 1890
  • Text offiziell angenommen: 6. September 1922, am Vorabend des 100. Jahrestags der Unabhängigkeit
  • Aufbau: zwei lange Strophen mit jeweils mehreren Abschnitten

Die Geschichte der brasilianischen Nationalhymne

Francisco Manuel da Silva schuf die Melodie im Umfeld der brasilianischen Unabhängigkeit von Portugal (1822). Über das genaue Entstehungsjahr streiten Historiker bis heute: Einige Quellen nennen 1822 oder 1823, andere gehen davon aus, dass die heute bekannte Fassung erst 1831 entstand. Sicher ist, dass die Komposition am 13. April 1831 öffentlich aufgeführt wurde – sieben Tage nach der Abdankung von Kaiser Dom Pedro I. Bis heute gilt dieser Tag in Brasilien als »Tag der Nationalhymne«.

Im Kaiserreich (1822–1889) wurde das Stück nie offiziell als Hymne anerkannt, war aber längst ein fester Bestandteil zeremonieller Anlässe. Es trug im Laufe der Zeit verschiedene Namen und bekam mehrere Textversionen, die sich jedoch nie durchsetzten – sie waren so kunstvoll, dass im Grunde nur ausgebildete Opernsänger sie vortragen konnten.

Nach der Ausrufung der Republik 1889 wollte die neue Regierung eigentlich eine moderne Hymne. Ein Wettbewerb kürte sogar einen Sieger, doch das Volk hing so sehr an der vertrauten Melodie da Silvas, dass die Regierung einlenkte: 1890 wurde sie offiziell als Nationalhymne bestätigt – allerdings weiterhin ohne Text, also rein instrumental.

Erst 1909 schrieb Joaquim Osório Duque Estrada den Text, der einen nationalen Wettbewerb gewann. Offiziell angenommen wurde dieser Text aber erst am 6. September 1922, passend zum 100. Jahrestag der Unabhängigkeit, per Dekret von Präsident Epitácio Pessoa. Genau 100 Jahre nach der Unabhängigkeit hatte Brasilien also endlich eine vollständige Nationalhymne mit Melodie und Text.

Francisco Manuel da Silva – der Komponist

Der Komponist Francisco Manuel da Silva wurde am 21. Februar 1795 in Rio de Janeiro geboren und starb dort 1865. Er begann als Sänger der Capela Real, der königlichen Kapelle, und galt schon zu Lebzeiten als einer der bedeutendsten Musiker Brasiliens.

Da Silva gründete die Imperial Academia de Música e Ópera Nacional sowie die Sociedade de Beneficência Musical, dirigierte das Orchester der Sociedade Fluminense und lehrte an der Musikabteilung des Colégio de Belas Artes. 1841 ernannte man ihn zum kaiserlichen Hofkomponisten.

Er war Bewunderer der »Marseillaise« und überzeugt, dass eine Hymne mitreißend und triumphal klingen müsse, um ein Volk zu bewegen – ein Anspruch, den man der Melodie bis heute anhört.

Brasilien Nationalhyme Komponist
Francisco Manuel da Silva (links) und Joaquim Osório Duque Estrada (rechts ( Public Domain )

Joaquim Osório Duque Estrada – der Texter

Joaquim Osório Duque Estrada wurde am 29. April 1870 in Paty do Alferes im Landesinneren des Bundesstaates Rio de Janeiro geboren und starb 1927 in Rio. Er war Dichter, Literaturkritiker, Essayist, Journalist und zeitweise Diplomat – und gehörte der Strömung des brasilianischen Parnassianismus an, einer Dichtung, die Form, Klang und Wortgewalt besonders pflegte. Schon mit 16 Jahren veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband »Alvéolos«.

1909 gewann er den nationalen Wettbewerb für »die beste poetische Komposition, die sich rhythmisch exakt an die Musik des Hino Nacional Brasileiro anpasst«. Für den Sieg erhielt er ein Preisgeld von fünf Contos de Réis. Bis zur offiziellen Annahme 1922 überarbeitete er seinen Text noch an mehreren Stellen.

1915 wurde Duque Estrada in die Academia Brasileira de Letras gewählt, wo er den 17. Lehrstuhl bis zu seinem Tod innehatte. Berühmt aber wurde er vor allem durch diese eine Dichtung – die Worte, die heute Millionen Brasilianer auswendig kennen.

Text der brasilianischen Nationalhymne mit deutscher Übersetzung

Im Folgenden findest du den vollständigen offiziellen Text auf Portugiesisch und daneben eine deutsche Übersetzung. Wichtig: Die Übersetzung gibt den Sinn wieder, nicht den Reim.

Der Originaltext ist in einem sehr gehobenen, teils altertümlichen Portugiesisch verfasst – eine wortgetreue Übertragung würde im Deutschen holprig klingen. Es geht also um Verständnis, nicht um eine singbare Fassung.

Erste Strophe

Portugiesisch

Ouviram do Ipiranga as margens plácidas De um povo heróico o brado retumbante, E o sol da Liberdade, em raios fúlgidos, Brilhou no céu da Pátria nesse instante.

Se o penhor dessa igualdade Conseguimos conquistar com braço forte, Em teu seio, ó Liberdade, Desafia o nosso peito a própria morte!

Ó Pátria amada, Idolatrada, Salve! Salve!

Brasil, um sonho intenso, um raio vívido, De amor e de esperança à terra desce, Se em teu formoso céu, risonho e límpido, A imagem do Cruzeiro resplandece.

Gigante pela própria natureza, És belo, és forte, impávido colosso, E o teu futuro espelha essa grandeza.

Terra adorada Entre outras mil És tu, Brasil, Ó Pátria amada!

Dos filhos deste solo És mãe gentil, Pátria amada, Brasil!

Deutsche Übersetzung (sinngemäß)

Es hörten die stillen Ufer des Ipiranga den dröhnenden Ruf eines heldenhaften Volkes, und die Sonne der Freiheit erstrahlte in glühenden Strahlen in jenem Augenblick am Himmel des Vaterlands.

Wenn wir das Pfand dieser Gleichheit mit starkem Arm erringen konnten, so trotzt in deinem Schoß, o Freiheit, unsere Brust selbst dem Tod!

O geliebtes Vaterland, vergöttertes, sei gegrüßt! Sei gegrüßt!

Brasilien, ein inniger Traum, ein lebendiger Strahl aus Liebe und Hoffnung steigt auf die Erde herab, wenn an deinem schönen Himmel, heiter und klar, das Bild des Kreuzes des Südens erstrahlt.

Riese durch die eigene Natur, bist du schön, bist du stark, ein furchtloser Koloss, und deine Zukunft spiegelt diese Größe.

Geliebtes Land unter tausend anderen bist du es, Brasilien, o geliebtes Vaterland!

Den Kindern dieses Bodens bist du eine sanfte Mutter, geliebtes Vaterland, Brasilien!

Zweite Strophe

Portugiesisch

Deitado eternamente em berço esplêndido, Ao som do mar e à luz do céu profundo, Fulguras, ó Brasil, florão da América, Iluminado ao sol do Novo Mundo!

Do que a terra mais garrida Teus risonhos, lindos campos têm mais flores, "Nossos bosques têm mais vida", "Nossa vida" no teu seio "mais amores".

Ó Pátria amada, Idolatrada, Salve! Salve!

Brasil, de amor eterno seja símbolo O lábaro que ostentas estrelado, E diga o verde-louro dessa flâmula
-Paz no futuro e glória no passado.

Mas se ergues da justiça a clava forte, Verás que um filho teu não foge à luta, Nem teme, quem te adora, a própria morte.

Terra adorada Entre outras mil És tu, Brasil, Ó Pátria amada!

Dos filhos deste solo És mãe gentil, Pátria amada, Brasil!

Deutsche Übersetzung (sinngemäß)

Ewig gebettet in prächtiger Wiege, beim Klang des Meeres und im Licht des tiefen Himmels, erstrahlst du, o Brasilien, Zierde Amerikas, erleuchtet von der Sonne der Neuen Welt!

Mehr als das prächtigste Land haben deine heiteren, schönen Fluren mehr Blumen, »Unsere Wälder haben mehr Leben«, »unser Leben« an deinem Busen »mehr Liebe«.

O geliebtes Vaterland, vergöttertes, sei gegrüßt! Sei gegrüßt!

Brasilien, ein Sinnbild ewiger Liebe sei das sternenbesetzte Banner, das du trägst, und das Grün-Gold dieser Fahne verkünde: – Frieden in der Zukunft und Ruhm in der Vergangenheit.

Doch erhebst du die starke Keule der Gerechtigkeit, wirst du sehen, dass kein Kind von dir den Kampf scheut, noch fürchtet, wer dich liebt, den eigenen Tod.

Geliebtes Land unter tausend anderen bist du es, Brasilien, o geliebtes Vaterland!

Den Kindern dieses Bodens bist du eine sanfte Mutter, geliebtes Vaterland, Brasilien!

Die Bedeutung der Hymne – was die Verse erzählen

Wer den Text zum ersten Mal liest, fragt sich vielleicht, worum es eigentlich geht. Die Sprache ist bewusst feierlich und voller Bilder. Hier die wichtigsten Schlüssel zum Verständnis:

  • »Ouviram do Ipiranga as margens plácidas …« – Die Hymne beginnt am Ufer des Flüsschens Ipiranga in São Paulo. Genau dort soll Dom Pedro I. am 7. September 1822 die Unabhängigkeit Brasiliens ausgerufen haben (der berühmte »Grito do Ipiranga«, der Ruf von Ipiranga). Die ersten Zeilen beschwören also den Gründungsmoment der Nation.
  • »Sol da Liberdade« (Sonne der Freiheit) – ein klassisches Bild für die neu gewonnene Unabhängigkeit, das durch den ganzen Text leuchtet.
  • »A imagem do Cruzeiro« (das Bild des Kreuzes) – gemeint ist das Sternbild Kreuz des Südens, das auch auf der brasilianischen Flagge zu sehen ist und über der Südhalbkugel steht.
  • »Gigante pela própria natureza« (Riese durch die eigene Natur) – einer der bekanntesten Verse überhaupt. Er spielt auf die schiere Größe und den Naturreichtum des Landes an. Brasilianer zitieren diese Zeile bis heute mit Stolz.
  • »Deitado eternamente em berço esplêndido« (ewig gebettet in prächtiger Wiege) – ein Bild für die geografische Lage des Landes zwischen Atlantik und tropischem Himmel.
  • »Verde-louro« (Grün-Gold) – die Nationalfarben Brasiliens, die für Hoffnung und Reichtum stehen.

Auffällig: Die Hymne ist weniger kriegerisch als viele andere. Sie feiert vor allem Natur, Größe, Freiheit und Frieden. Kampf taucht nur als Verteidigungsbereitschaft auf (»wer dich liebt, fürchtet den eigenen Tod nicht«), nicht als Eroberungslust.

Wo kann man die brasilianische Nationalhymne anhören?

Wenn du die Hymne nicht nur lesen, sondern auch hören möchtest, hast du mehrere Möglichkeiten:

  • Offizielle Aufnahmen gibt es als Orchester- und Chorfassung, etwa von Militärkapellen und Polizeiorchestern. Die Originaltonart ist B-Dur, festgelegt durch die Orchestrierung von Leopoldo Miguez.
  • Sportereignisse sind die beste Gelegenheit, die Hymne in voller Inbrunst zu erleben – besonders bei Spielen der Seleção, wo die Fans oft auch nach dem Verstummen der Musik a cappella weitersingen. Diese Tradition gilt vielen als der emotionalste Moment überhaupt.
  • Videoplattformen bieten zahllose Versionen, von der schlichten Instrumentalfassung bis zur großen Chorvariante.

Ein Tipp: Achte beim Zuhören darauf, wie schnell und melodisch die Hymne ist. Sie wird nicht getragen und langsam gesungen, sondern fast tänzerisch – was sie für Nicht-Brasilianer überraschend schwer mitzusingen macht.

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Kuriositäten rund um die Hymne

Zum Schluss ein paar Dinge, die selbst viele Brasilien-Kenner nicht wissen:

  • Sie hat keinen eigenen Namen. Anders als »La Marseillaise« oder »The Star-Spangled Banner« heißt die brasilianische Hymne schlicht »Hino Nacional Brasileiro« – Brasilianische Nationalhymne.
  • In Brasilien gibt es eine Hymnen-Pflicht in Schulen. Per Gesetz (Lei 5.700/1971, ergänzt 2009) muss die Hymne in Grundschulen mindestens einmal pro Woche gespielt werden. Bedeutung und Text sind Teil des Lehrplans.
  • Wer in den öffentlichen Dienst will, muss sie kennen. Dasselbe Gesetz schreibt vor, dass niemand in den Staatsdienst aufgenommen werden darf, ohne Kenntnis der Nationalhymne nachzuweisen.
  • Bei der Aufführung gelten Regeln. Wird sie gespielt, stehen alle Anwesenden respektvoll und schweigend; Männer nehmen die Kopfbedeckung ab. Bei rein instrumentaler Aufführung wird nicht mitgesungen.
  • Die Melodie war fast 100 Jahre ohne offiziellen Text unterwegs. Zwischen erster Aufführung (1831) und Annahme des heutigen Textes (1922) lagen über 90 Jahre.
  • Über die Herkunft der Melodie gibt es bis heute Spekulationen – mal heißt es, sie sei von Paganini inspiriert, mal von Kirchenmusik. Belegt ist nichts davon.

Häufige Fragen zur brasilianischen Nationalhymne

Wer hat die brasilianische Nationalhymne geschrieben? Die Melodie stammt von Francisco Manuel da Silva, der Text von Joaquim Osório Duque Estrada (verfasst 1909, offiziell seit 1922).

Wann wurde die Hymne offiziell? Die Melodie wurde 1890 offiziell bestätigt, der Text am 6. September 1922.

Wie viele Strophen hat die Hymne? Zwei lange Strophen, die jeweils aus mehreren Abschnitten bestehen. Bei vielen Anlässen wird nur die erste Strophe gesungen.

Gibt es eine offizielle deutsche Fassung? Nein. Es existiert keine offizielle deutsche Übersetzung. Singbar ist ausschließlich die portugiesische Originalfassung; deutsche Übersetzungen dienen nur dem Verständnis.